Britta Balogh

Positiver Sprachstil führt zum Erfolg!

Die Kommunikation ist das wohl bedeutendste und umfangreichste Soft Skill, mit dem wir es täglich zu tun haben. Führungskräfte sitzen in der Sandwichposition, kommunizieren nach oben, zu ihren Vorgesetzten, parallel zu den KollegInnen und nach „unten“ zu ihrem Team. Der Erfolg dieses Balanceaktes kann von einem kleinen Wörtchen abhängen, denn Worte bestimmen unsere Wahrnehmung und entscheiden mit über Erfolge und Misserfolge. Darum ist es so ungemein wichtig, ganz bewusst und durchdacht die Worte zu wählen, mit denen wir unsere Nachricht transportieren möchten. Wie das gelingt, hat einerseits mit der inneren Haltung und andererseits mit Wachsamkeit und Übung zu tun. Die innere Haltung: Entsprechend Ihrer inneren Haltung formulieren Sie: „Das hast Du gut gemacht. Oder: „Das hast Du gut gemacht, aber …“ Dieses „aber“ konterkariert die vorhergehende Aussage, denn es schränkt Ihr Lob ein oder vernichtet es gar – je nachdem wie der Satz weiterläuft. Machen Sie sich bewusst, was Ihre eigentliche Intention Ihrer Aussage ist. Möchten Sie loben? Dann ist das Aber unangebracht und überflüssig. Es macht den positiven Einstieg und das Lob sofort zunichte. Wollen Sie loben und haben eine Anmerkung, wie wäre es dann mit einem UND? Oder wollen Sie gar nicht loben, sondern liegt Ihr Augenmerk auf dem zweiten Teil der Nachricht, die mit ABER beginnt? Dann seien Sie sich der Wirkung Ihres Satzes bewusst, denn Ihre innere Haltung kommt beim Empfänger als nett verpackte Kritik an.

 

Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun

Machen wir einen kleinen Exkurs zu Schulz von Thun und seinem Vier-Seiten-Modell, was sicherlich hinreichend bekannt ist (https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat). Der gleiche Sachverhalt lässt vier verschiedene Interpretationen zu: vier Schnäbel sprechen und vier Ohren hören. Jede Formulierung und Tonalität einer Aussage vermitteln eine andere Haltung. Es ist also wesentlich, ob eine Aussage mit Blick auf den Misserfolg oder auf den Erfolg getroffen wird. Die vier Aussagen: Möchten Sie eine neutrale Aussage tätigen, dann gehört das ABER nicht in den Satz: „Das hast Du gut gemacht.“ Das ist ein Fakt.

Senden Sie Ihre innere Haltung und Ihre Stimmung mit, fließen häufig Worte wie „immer und nie“ mit ein. Das entsprechende Ohr hört, dass Sie genervt sind: „Das hast Du gut gemacht, aber Du müsstest zukünftig die Aufgabe allein bewältigen und nicht immer wieder rückfragen.“ Kommt das ABER im Satz vor und Ihr Fokus liegt auf dem zweiten Teil des Satzes, zeigen Sie, was Sie von dem anderen wirklich halten: „Das hast Du gut gemacht, aber da geht noch einiges.“ Der Appell entsteht am ehesten über die Wörter: müsstest, solltest, nie, immer. Der Appell kann eine Bitte, Aufforderung oder ein Befehl sein. „Das hast Du gut gemacht, aber denk immer daran, dem Team ein Feed-back zu geben. Es ist also wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, was genau Sie ausdrücken möchten und sorgsam mit den vier Schnäbeln umzugehen, damit Ihre Nachricht im richtigen Ohr Ihres Gegenübers ankommt und Missverständnisse vermieden werden können. Ihr/e ZuhörerIn reagiert entsprechend, je nachdem wie Ihre Nachricht aufgenommen wird. Dabei geht es nicht nur um das gesendete Wort. Ihr Tonfall, Ihre Mimik und Gestik, die Umgebung und das Befinden Ihres Gegenübers sind ebenfalls entscheidende Faktoren. 

 

Das Wort MÜSSEN 

Sicher haben Sie schon bemerkt, dass ich das Wort „muss“ – „Sie müssen“ vermeide. Es ist eines der Negativworte, so wie das Aber auch. Meine innere Haltung als Coach ist, dass wir nichts müssen, sondern vielmehr wollen, können, sollten. Sie haben sicherlich Einwände parat und hätten etliche Beispiele, dass Sie etwas müssen. Gehen wir dem kurz auf den Grund:

Müssen Sie tatsächlich jeden Tag aufstehen und Ihre Arbeit verrichten? Wer zwingt Sie dazu? Zerrt Sie jemand morgens aus dem Bett gegen Ihren Willen?


Wollen Sie nicht eher, weil Sie dadurch u.a. Menschen begegnen, Geld verdienen, damit Sie Ihr Leben bestreiten, evtl. für andere sorgen und sich den einen oder anderen Luxus leisten können?


Sollten Sie nicht eher jeden Tag aufstehen, weil es Ihrem Wohlbefinden gut tut, es sonst eine lange Reihe von langweiligen, unproduktiven bis hin zu destruktiven Tagen und Monaten gäbe? Sollten Sie nicht schon allein aus Überlebensstrategie aufstehen?


Möchten Sie nicht vielmehr aufstehen, weil Sie Ihre Arbeit herausfordert, sie Ihnen Spannung und Abwechslung, Anerkennung und Wertschätzung bietet, Sie in Gemeinschaft etwas erreichen und sich gebraucht und wertvoll empfinden?


Sie müssen nicht aufstehen. Keiner zwingt Sie und keiner kann Sie zwingen. Tun Sie es nicht, tragen Sie die Konsequenzen. Das ist Ihre freie Entscheidung. Wenn Sie nicht aufstehen und arbeiten mögen, dann wäre es an der Zeit darauf zu schauen, was der wirkliche Grund dafür ist, was Sie hindert und was SIE ändern können. Sie können, müssen aber nicht. Indem Sie nichts müssen, nehmen Sie automatisch eine andere Haltung ein und schauen aus einer anderen Perspektive, die sehr viel angenehmer ist, als aus einem vermeintlichen Zwang heraus zu schauen und zu agieren.

Folgende Worte sind Negativworte:

müssen – sollen – immer – nie – Problem – nicht – aber – Fehler


Selbstverständlich lassen sich nicht all diese Worte komplett eliminieren. Wenn Sie jedoch Ihre Aufmerksamkeit schärfen und versuchen

müssen und sollen durch wollen aber durch und nicht durch auch zu ersetzen, werden Sie sehen, welche Wirkung dies auf Sie und Ihre Zuhörer hat.

Bei dem Wort „MÜSSEN“ schwingt Zwang, Druck und Not mit: „Wir müssen diese Krise bewältigen, (sonst….)!“  Die Formulierung „Wir werden auch diese Situation meistern!“ sendet Energie, Kraft, Zuversicht und Tatendrang aus und hat eine ganz andere Wirkung. Den Quatschi wegschicken

Jens Corssen hat für negative Situationen und Stimmungen ein wunderbares imaginäres Bild gezeichnet. Stellen Sie sich vor, ein kleines Etwas sitzt auf ihrer Schulter und bringt Sie dazu, über alles und jedes zu zweifeln, in ein halb leeres Glas zu schauen und Ihren Sätzen ein ABER anzufügen. Er hat dieses Etwas „Quatschi“ genannt. Denn Quatschi quatscht Ihnen den ganzen Tag ins Ohr. Wenn es wieder so weit ist und Sie Negativ-Wörter benutzen, dann wenden Sie sich im Stillen Ihrem Quatschi zu, sagen Bescheid, dass Sie wissen, dass es da ist, es aber nicht brauchen und schicken „Quatschi“ weg. Schlucken Sie innerlich das ABER runter und führen Sie Ihren Satz fort. Setzen Sie anstelle des Abers ein UND in Ihren Satz ein oder machen Sie einfach einen Punkt: „Das hast Du gut gemacht und beim nächsten Mal können wir dieses und jenes noch besser machen / können wir dieses und jenes berücksichtigen, damit etc.“ Die andere Variante: „Das hast Du gut gemacht. Wenn Du das nächste Mal noch an XY denkst, wird das Ergebnis noch viel besser. „ Positive Formulierungen prägen Ihre Gedankenwelt. 

 

Fazit

Es gibt zwei Herangehensweisen, um zu einer klaren, positiven Kommunikation zu kommen:


Erstens: Aus einer positiven Sichtweise entsteht eine positive Wortwahl. Sie blicken auf ein halb volles Glas. Zweitens: Sie achten auf Ihre Wortwahl, formulieren präzise und kommen so zu einer differenzierten Sichtweise auf die aktuelle Begebenheit. Die oben genannten negativen Worte verschwinden aus Ihrem Wortschatz. Daraus entsteht eine positivere Sichtweise. Leicht gesagt? Was können Sie also tun, damit sich Ihre Sichtweise ändert? Den Blick auf die positive Seite der Dinge zu richten bewirkt eine bejahende Wortwahl, steigert nachhaltig das Wohlbefinden und erhält Ihre Energie. Eine wirkungsvolle und wissenschaftlich erwiesene Methode um sich „umzuprogrammieren“ ist eine kleine tägliche Aufgabe: Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit bevor Sie den Arbeitstag beschließen, sammeln Sie drei positive Aspekte und schreiben Sie diese auf. Das kann ein freundliches, wohltuendes Wort, eine ebensolche Begegnung, gemeinsames Lachen, eine erfolgreich gelöste Aufgabe, eine gelungene Bewältigung eines Konfliktes oder eines schwierigen Telefonates sein, das Sie abgewendet haben. Wenn Sie sich disziplinieren, jeden Abend den Tag Revue passieren zu lassen und drei positive Begebenheiten zu sammeln, wird sich Ihr Blick auf den Tag, auf Ihr Berufsleben und generell auf das Leben ändern. Es kostet Sie kaum Zeit, etwas Mühe und bereitet Ihnen einen positiveren Alltag und Zufriedenheit. Wenn Sie sich um eine exakte Wortwahl bemühen und sich genau überlegen, was Sie ausdrücken möchten, schauen Sie automatisch genauer hin und wägen Ihre Worte ab.  Das mag zunächst anstrengend erscheinen. Es ist ein Training, wie jedes andere auch, das zum Automatismus führt. Es stellen sich Verbesserungen in der präzisen Formulierung ein. Durch die präzise Formulierung verändert sich Ihre Wortwahl und Ihre Sichtweise auf die Dinge.  Sie haben das Gefühl, häufiger einmal anzuecken, missverstanden zu werden oder einfach im Team nicht durchzudringen? Sie hätten gern ein „externes Ohr“, einen Sparringspartner, der hinhört, Sie reflektiert, mit Ihnen Optionen erarbeitet – 25. Mai 2021


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